Glawischnig und Oberhauser als Vorsorge-Models

Dürfen Politikerinnen in einer Hochglanzzeitschrift für Kleidung werben – auch wenn es für die Brustkrebsvorsorge ist? Nein, das lässt sich nicht mit ihrer Funktion vereinbaren. Wie gut die Sache auch immer sein mag.

Erschienen am 08.10.2015 auf NZZ.at.

Eine Modestrecke in einem Wiener Frauenmagazin mit ein paar prominenten Gesichtern. Für ein Hochglanzmagazin nichts Ungewöhnliches – würden sich darunter nicht auch zwei Politikerinnen mischen, die sich bei dem zuckerlrosaroten Shooting in Garderobe von Peek & Cloppenburg und Hugo Boss ablichten ließen.

Eva Glawischnig-Piesczek, Klubobfrau der Grünen, in pinkem Hugo-Boss-Pullover und mit DKNY-Uhr. Wert: Rund 1.500 Euro. Ein paar Seiten weiter Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser mit rosaroter 429-Euro-Tasche. Bilder, wie aus einem Versandkatalog.

Bildschirmfoto 2016-01-22 um 15.55.26
Twitter: 07.10.2015

Das ganze Shooting des Monatsmagazins „Wien Live Look“ stand aber im Zeichen des Brustkrebs. Die beiden sind sogenannte „Vorsorge-Botschafterinnen“ im Kampf gegen die Krankheit. Sie machen das also für die gute Sache. Neben dem Foto ein Statement, warum sie „Pink Ribbon“ unterstützen, darunter die Werbeeinschaltung.

 

 

 

 

 

 

 

Relativiert der Zweck die Werbeeinschaltung? Nein, nicht unbedingt. Politikerinnen sind und bleiben öffentliche Personen; ihre Jobs sind staatlich finanziert. Ministerin Oberhauser ist Amtsträgerin. Ein Amt sollte nicht durch seine Inhaberin kommerzialisiert werden. Politikerinnen sind keine Werbefiguren und keine Maskottchen- weder für Zahnpasta, noch für Versicherungen, Brillen oder sonst irgendetwas. Auch für Krebsvorsorge nicht.

Der Zweck heiligt nicht die Mittel. Die schönen Kleider bringen der Vorsorge rein gar nichts. Es gibt keinen kausalen Zusammenhang zwischen dem Fotoshooting und der Brustkrebshilfe. Es geht weder darum, zu einer Spende aufzurufen, noch werden die Modemarken im Zusammenhang mit diesem Shooting etwas zur Brustkrebshilfe beitragen. Es geht schlicht darum, Bewusstsein zu schaffen.

Politikerinnen sollen ja für die wirklich wichtige Brustkrebsvorsorge werben. Aber das geht auch ohne Produktwerbung.

Posted in: Allgemein

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