Wie der Übergang vom Berufs- ins Pensionsleben wirklich aussieht

Vier Fakten zum Thema Pensionsübergang und wie sich dieser bei Frauen und Männern unterscheidet.

Erschienen am 28.05.2015 NZZ.at. Grafik gemeinsam mit Gerald Gartner. Foto: veni/flickr.

Welche Rolle spielt die Lohnkurve bei der Pensionierung, und was ist mit jenen Personen, die nicht direkt vom Job in die Pension wechseln? Auch wenn Sie das vielleicht nicht geglaubt hätten, aber viele Zahlen und Daten zum Thema Pension werden nicht erhoben. Zwar wird wie wild herumkalkuliert und an Modellrechnungen gebastelt, aber warum jemand zu welchem Zeitpunkt in Pension geht, ist kaum Forschungsgegenstand.

Hier die Dinge, die wir wissen:

1. Männer gehen häufig vorzeitig in Pension

Knapp 17.800 Männer gingen laut WIFO 2013 vorzeitig in Pension, nur knapp ein Drittel der Männer (6.800) ging wirklich altersbedingt. Das gesetzliche Pensionsantrittsalter liegt bei 65 Jahren. Im Durchschnitt scheiden Männer mit 62,8 Jahren aus dem Berufsleben.

Auch die Zahl der Invaliditätspensionen war 2013 hoch: 13.290 (2005: 17.590)

Zur Info: Seit 2014 ist die befristete Invaliditätspension für unter 50-Jährige abgeschafft. Eine Invaliditätspension gebührt derzeit nur mehr bei dauernder Arbeitsunfähigkeit ohne Aussicht auf Besserung. Nähere Infos hier.

2. Frauen gehen meistens in Alterspension

Frauen gehen derzeit mit 60 in Pension, bis 2033 wird das Antrittsalter Männern angeglichen (darüber haben wir schon hier geschrieben). Bei Frauen ist die Zahl der Alterspensionen viel höher als bei Männern: Knapp 16.000 Frauen gingen 2013 altersbedingt in den Ruhestand. 16.669 gingen vorzeitig – das sind um knapp 4.500 Frauen mehr als noch 2005. Invalidität spielt bei Frauen eine geringere Rolle als bei Männern.

3. 40 Prozent der Frauen und Männer haben eine Lücke, bevor sie vom Job in die Pension wechseln.

Besonders interessant wird es, wenn man sich die Lücken ansieht. Knapp 60 Prozent der Frauen und Männer (57,8 Prozent) wechseln direkt aus dem Berufsleben in die Alterspension. Ganze 20 Prozent (Männer: 23,3 Prozent) hatten eine Lücke von mehr als 5 Jahren zwischen Berufs- und Pensionsleben.

Christine Mayrhuber vom Institut für Wirtschaftsforschung sagt, dass ab einer Lücke von zwei Jahren die meisten Menschen arbeitslos sind. Zwei Drittel dieser Zeit seien sie arbeitslos, ein Drittel verbringen sie im Krankenstand oder in atypischer Beschäftigung.

4. Eine steile Lohnkurve führt zu einem früheren Pensionsantritt bei Arbeitern und Angestellten

Der Ökonom Wolfgang Frimmel von der Universität Linz hat mit einem vierköpfigen Team die Rolle der Lohnkurve bei der Frühpensionierung untersucht. Denn in unserer schönen Republik herrscht das Senioritätsprinzip. Am Anfang des Erwerbslebens verdient man unter seiner Arbeitsleistung, später darüber.

Frimmels Team untersuchte nun, welche Rolle die Firmen beim Pensionsantritt spielen. Die genaueren Ergebnisse werden im Laufe des Jahres publiziert, die bisherigen sind aber äußerst aussagekräftig:

Männer, die in Firmen mit steileren Lohnkurven beschäftigt sind, scheiden früher aus dem Erwerbsleben aus und bekommen wahrscheinlicher einen Golden Handshake.

Auch innerhalb der Branchen sind, so Frimmel, große Unterschiede zu entdecken. Das Resultat:

Eine steile Lohnkurve führt zu einem sieben Monate früheren Pensionsantritt bei Arbeitern, bei Angestellten sind es vier Monate. Außerdem sind Sonderabfertigungen – also Golden Handshakes – und Arbeitslosigkeit häufiger.

Die Forscher arbeiteten mit den Daten der Sozialversicherung zwischen 2000 und 2009 und fokussierten sich auf männliche Arbeiter und Angestellte aus dem Privatsektor.

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